[zur Homepage Püchau]

Auch für Bettgeschichten waren die Herrschaftlichen Gerichte zu Püchau im 17. Jahrhundert zuständig

Von Klaus Ungewiß

 

Um 1690 kamen Deuben und Lossa in den Besitz des damaligen Püchauer Grundherren Heinrich von Bünau (I). In der folgenden Zeit waren die Herrschaftlichen Gerichte zu Püchau zumindest auch für Deuben unmittelbar zuständig. Erst im Jahre 1729, nach Bünaus Tode, gingen einerseits Püchau und andererseits Lossa und Deuben durch Erbschaft an seine Söhne Heinrich bzw. Günther (später Sohn Rudolph), und sie waren fortan nicht mehr in einer Hand. Neben der Regulierung von Eigentumsangelegenheiten, der Bestrafung von Ordnungswidrigkeiten oder krimineller Vergehen oblag auch die Ahndung unsittlicher Handlungen den Herrschaftlichen Gerichten.

Am 18. Oktober 1694 erschien Susanna Berger, Dienstmädchen bei der Witwe Döbler, der Gastwirtin zu Deuben, an gewöhnlicher Gerichtsstelle in Püchau, die damals der Schösser Georg Neithardt verwaltete. Sie berichtete, daß die andere, die große Dienstmagd, sich öfters mit Georg Blume daselbst miteinander "fleischlich vermischt" hätte. Dazu wäre dies noch in eben dem Bette geschehen, in dem auch sie schliefe.

Der Gerichtsschösser zitierte die Sünderin für den nächsten Tag vor die Püchauischen Gerichte. Die Großmagd, Maria Erde, gab ihre Verfehlungen bereitwillig zu und sagte aus, daß sich Georg Blume vor ungefähr vier Wochen mit zu ihr ins Bett gesellt hätte, und daß es dann dazu gekommen sei. Er habe ihr in dem Zusammenhang auch versprochen, sie zu ehelichen. Es wäre wohl über viermal geschehen, daß er die "fleischliche Vermischung ordentlich mit ihr verrichtet" hätte. Allerdings könne sie heute nicht sagen, ob sie nun davon schwanger sei oder nicht.

Auch Blume war vor die Herrschaftlichen Gerichte geladen worden, dort aber vorsichtshalber nicht erschienen. Über Monate ruhte dann die Angelegenheit. Vielleicht hielt man die Sache nicht für allzu dringlich, oder man ließ sich Zeit damit, um völlig sicher zu gehen, ob eventuelle Folgen sichtbar würden. Erst am 21. Februar 1695 wurde der "Fall Blumenerde" wieder aufgerollt. Die Magd hatte allerdings inzwischen wegen der Affäre ihre Anstellung in der Deubener Schenke verloren.

Georg Blume wurde zum genannten Termin abermals vor die Herrschaftlich Bünauischen Gerichte nach Püchau zitiert, wo er sich diesmal auch einfand. Dort waren außer dem Gerichtsverwalter sämtliche Gerichtspersonen aus Deuben zugegen, nämlich der Ortsrichter Georg Gruhne und die vier Gerichtsschöppen Hans Dietze, Hans Donner, Christoph Kästner und Hans Kästner. Der Beklagte versuchte beileibe nicht, irgend etwas in Abrede zu stellen. Er gab die ihm vorgeworfenen sittenwidrigen Aktivitäten vollends zu, betonte jedoch, daß ihn weniger die Schuld träfe, weil die "Erdin" ihn geradezu verführt habe. Sie hätte ihm dazu Anlaß gegeben, ihn zu sich gebeten und ihn schließlich mit in ihr Bett genommen. Die Gerichte ließen sich von dieser Darstellung offenbar nicht beeindrucken, und man verhängte anfangs eine ziemlich harte Strafe. Wegen Ungehorsams, weil er das erste Mal nicht vor den Gerichten erschienen war, sprach man eine achttägige Gefängnisstrafe aus, und der "fleischlichen Vermischung" halber verlangte man 2 Gülden Geldbuße. Darüber hinaus wurde er auch dazu verurteilt, die Gerichtskosten zu tragen.

Blume bat nun die Gerichte inständig um Milde, zumal er für seinen alten, unvermögenden und nicht mehr arbeitsfähigen Vater, den Leineweber Martin Blume in Deuben, wie auch seine zahlreichen jüngeren Geschwister sorgen müsse, die alle miteinander in bitterster Armut lebten. Dafür hatte der Gerichtsschösser Georg Neithardt denn doch Verständnis, und die Geldstrafe wurde auf einen Gülden herabgesetzt. Insbesondere durch Fürsprache der Deubener Gerichtspersonen sah man vom Anschließen letztlich ganz ab. Der Delinquent wurde auf freiem Fuße belassen, weil es besser wäre, wenn er für seinen Vater etwas verdienen sowie die Geschwister mit ernähren könne, als daß er eine Woche untätig einsitzen müßte.

Klaus Ungewiß


[zur Homepage Püchau]